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2083
Frühjahrsauktion 10.–12.05.2007
Spitzweg, Carl
1808 München - 1885 ebd.
Öl/Lw. «Die Versuchung». In schattiger Waldlichtung sitzender lesender Mönch, ihm ein engelhaftes Wesen mit Weidenkorb erscheinend. Unsign. Verso Etikett mit Echtheitsbestätigung Otto Spitzwegs, des Neffen Carls Spitzwegs. Leichtes Krakelee und rest. H. 30, B. 36,5 cm. Vergoldeter Prunkrahmen (min. best.).
Zu diesem Werk liegt eine Dokumentation des Spitzweg-Experten Prof. Dr. Siegfried Wichmann vor. Darin heißt es:
«Carl Spitzweg malt ein Bild mit verschiedenen inhaltlichen Beobachtungen und Fakten. Es handelt sich um eine äußerst private Meinung, mit der er sich auseinander setzt.
In der hier vorliegenden Dokumentation wird auf die Schwankungen der Erkenntnisse des Malers eingegangen. In der Zusammenfassung wird daher nochmals auf die künstlerische Bedeutung des Gemäldes hingewiesen.
Das Bild zeigt eine hervorragende Pinseltechnik. Auch die Lichtsituation ist von Spitzweg sicher gestaltet worden. Das Bild enthält jene maltechnischen Vorzüge der Reifeperiode, die in äußerster Lockerung das Freilicht nunmehr wiedergeben kann. Das Blattwerk im Hintergrund, aber auch im Bereich der Klause und auch die Figuren sind in der stofflichen Lichtmalerei des reifen Spitzwegs einmalig erfasst. Helle Ockertöne mit den hellsten Tönen von Bleiweiß, mit Gelbgrün in den Blättern, das Laub rechts oben hinter der Klause wird mit wenigen impressionistischen Mitteln angedeutet. Auch die Figur nimmt, wie das hier zu analysierende Gemälde vermittelt, einen hohen Wissensstand ein.
Die Armut zeichnet die Bettelorden aus, sodass eine absolute Besitzlosigkeit notwendig wurde. Die hohe Armut wurde zum Beispiel von Karmeliter- und Augustiner-Mönchen zum Gelübde erhoben, die höhere durch die Dominikaner und die höchste durch die Franziskaner und namentlich die Kapuziner.
Das Augenblickserlebnis wird für Spitzweg geradezu zu einer märchenhaften Sicht, gesteigert durch kurzfristige Impressionen. Die Staffage ist abgerückt von der Wirklichkeit, die Spitzweg bei seinen Besuchen der Einsiedler-Mönche in den Terminhäusern, in den Mönchsklostern und den Mönchsklausen um Brixen beobachten konnte.
Die Mönche lebten in ihren Klausen bereits sehr aufwendig. Die aktive Arbeit der Bettelmönche war jedoch beachtlich geworden. Sie hatten hohe Aufgaben übernommen und dienten noch dem Volke.»
Wie dem rückseitig angebrachten Etikett zu entnehmen ist, wurde das Gemälde am 9. Dezember 1912 von Otto Spitzweg aus dem Nachlass Carl Spitzwegs übernommen.
Prov.: Ehemals Otto Spitzweg.
WVZ: Wichmann 833.

Lit.: AKL, Thieme-Becker.
 

Zuschlag: 55000,- EUR
(Limit: 45000,- EUR)